Blogbeitrag
Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt zu schützen ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Wie das gelingt und warum die Frage «Wo ist Klaus?» dafür aktuell bleibt.
Der Spot «Wo ist Klaus?» von klicksafe hat vor rund 20 Jahren mediales Aufsehen erregt. Es geht um vier zentrale digitale Risiken: Cybergrooming, Pornografie, extremistische Inhalte und Gewalt in Videospielen.
Als erstes Video auf unserem dreisprachigen YouTube-Kanal hat er ebenfalls zahlreiche Reaktionen ausgelöst. «In meinen Augen der beste Werbespot aller Zeiten. Bleibt nach Jahren noch im Kopf», hiess es beispielsweise. Und mehrfach wurde unter das Video geschrieben, dass der Spot nie an Relevanz verloren hat und weiterhin gezeigt werden müsste.
Die Botschaft des Spots lautet: «Im wirklichen Leben würden Sie Ihre Kinder schützen. Dann machen Sie es doch auch im Internet.» Bis heute verfehlt sie ihre Wirkung nicht: die Kinder im Internet zu schützen ist 2026 genauso wichtig wie damals. Aber in den 20 Jahren seit der Veröffentlichung von «Wo ist Klaus?» hat sich doch einiges verändert – und man unterscheidet beispielsweise nicht mehr so deutlich zwischen dem «wirklichen Leben» und dem Internet. Gerade für junge Menschen ist das, was online passiert, durchaus Teil ihres wirklichen Lebens.
Klicksafe hat inzwischen eine Reloaded-Version mit Ergänzungen veröffentlicht: In vier Clips kommentieren Jugendliche die einzelnen Szenen. Sie sprechen darüber, wie sie die Gefahren erleben, wie sie sich schützen und was sie sich als Unterstützung von Schule, Eltern, Politik und anderen Akteuren wünschen würden.
Bei extremistischen Inhalten sehen die Jugendlichen vor allem die Plattformen in der Pflicht. Sie sollen schneller reagieren und konsequenter eingreifen.
Beim Thema Pornografie wünschen sie sich ehrliche und lockere Gespräche. Erwachsene sollen erklären, dass die Sexszenen inszeniert sind und kaum etwas mit Realität zu tun haben.
Mehrfach nennen sie Aufklärung als Schutzfaktor. Sie wollen wissen, welche Übergriffe im Netz strafbar sind und welche Hilfestellungen es gibt. Gleichzeitig erwarten sie Schutzmassnahmen, die umgesetzt werden und wirksam sind.
Auch beim Gamen wirken die Jugendlichen reflektiert. Sie merken oft, wenn es zu viel wird, schaffen den Ausstieg aber nicht immer allein. Klare Regeln können entlasten, wenn sie nachvollziehbar sind und nicht als Strafe daherkommen.
Darüber hinaus zeigt das Beispiel von «Wo ist Klaus?» noch etwas anderes: Prävention funktioniert selten allein, sondern ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Der Spot wurde nicht nur von uns weiterverbreitet, sondern von anderen europäischen Organisationen in 27 Sprachen übersetzt und auf verschiedenen Kanälen gezeigt.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Safer Internet Day, der seit 2004 weltweit stattfindet.
Jugend und Medien ist das Nationale Komitee für den Safer Internet Day in der Schweiz. Auf unserer Webseite finden sich Hinweise auf Projekte und Anlässe, die hierzulande rund um den Aktionstag am 10. Februar unter dem Motto «Together for a better Internet» stattfinden.
Die Safer-Internet-Day-Webseite von Better Internet for Kids bündelt die weltweiten Aktivitäten. Eltern und Bezugspersonen, Lehrpersonen und andere Fachkräfte gibt es ausserdem jeweils eigene Ressourcenrubriken mit Orientierungshilfen, Materialien und weiterführenden Informationen.
Zusammenarbeit gehört auch bei Jugend und Medien zu den Kernaufgaben. Als nationale Plattform des Bundes richten wir uns an Eltern und Fachpersonen und informieren zu zentralen Themen, Chancen und Risiken digitaler Medien, damit Kinder und Jugendliche altersgerecht, sicher und verantwortungsvoll damit umgehen können.
Wir arbeiten schweizweit und international mit anderen Akteurinnen und Akteuren zusammen und stärken die Wissensverbreitung und den Erfahrungsaustausch, damit Aktivitäten besser zusammenspielen. Das gilt nicht nur am globalen Aktionstag, sondern das ganze Jahr. Mit nationalen Fachveranstaltungen bringen wir Praxis, Forschung und Behörden zusammen und schaffen so Orte, an denen Fachwissen geteilt und koordiniert werden kann.
Dazu gehört das Nationale Forum Jugend und Medien, das nächstes Mal am 10. November 2026 in Bern stattfindet. Wir freuen uns, auch dieses Mal wieder viele Fachpersonen begrüssen zu dürfen.
Bettina Bichsel ist Journalistin und Texterin. Sie schreibt und bloggt unter anderem für Jugend und Medien.
Letzte Aktualisierung des Textes am 06.02.26