Und dann gibt es die andere Seite: Ähnlich wie in der Werbung nutzen Spieleentwickler gezielte Mechanismen und psychologische Prinzipien, um Spielende in ihrem Verhalten zu beeinflussen. Man spricht von sogenannten Dark Patterns. Was bedeutet das?
Der Begriff bezeichnet Designelemente, die uns beim Gamen in eine bestimmte Richtung lenken wollen – oft sehr subtil, so dass wir es gar nicht merken. Ziel dieser Dark Patterns ist es einerseits, uns möglichst lange im Spiel zu halten oder dazu zu bringen, immer wieder zurückzukehren. Andererseits sollen wir dazu verleitet werden, Geld auszugeben, um Spielfortschritte zu erzielen. Gerade für Kinder und Jugendliche, die mit diesen Strategien nicht vertraut sind, ist es schwierig, sie zu erkennen.
Schauen wir uns ein paar Beispiele an für solche Mechanismen und die dahinterliegenden psychologischen Muster:
1. FOMO (Fear of Missing Out)
Spiele arbeiten mit begrenzten Angeboten oder Belohnungen, die nur für kurze Zeit erhältlich sind. Ein Beispiel dafür ist Fortnite mit seinen zeitlich limitierten Skins (Ausrüstungsgegenstände), die es nur für wenige Tage gibt. Diese Strategie macht sich das FOMO-Prinzip zunutze, also die Befürchtung, ich könnte etwas verpassen, wenn ich nicht schnell zugreife. Die Angebote kosten natürlich – und weil es immer wieder neue Anreize gibt, kann das ins Geld gehen.
2. Belohnungsschleifen
Dabei handelt es sich um ein Prinzip, das aus dem Glücksspiel bekannt ist: Spielende erhalten Belohnungen in unvorhersehbaren Abständen. Das verleitet dazu, immer weiterzuspielen, weil ich ja von weiteren Belohnungen profitieren möchte. Clash Royale nutzt beispielsweise Levelaufstiege und Trophäen, die nur sporadisch verteilt werden. Auch visuelle Effekte werden eingesetzt, um für kleine Glücksmomente zu sorgen und so die Motivation hoch zu halten.
3. Lootboxen
Lootboxen sind virtuelle Schatzkisten. Der Reiz ist im Grunde derselbe wie im Casino, wenn ich an einem Spielautomaten den Hebel ziehe: Ich hoffe auf mein Glück. In einem Game wie FIFA Ultimate Team oder Overwatch kaufe ich eine solche Box, ohne genau zu wissen, welchen Inhalt ich bekomme und ob es mir wirklich im Spiel nützt. Wenn ich Pech habe, ist die Frustration natürlich gross und ich überlege, dass mir vielleicht eine weitere Box mehr Glück bringt.
4. Pay-to-Win (Kauf dir den Sieg)
Viele Spiele werden als kostenlos vermarktet, enthalten aber die Möglichkeit, sich Vorteile zu erkaufen. Wer zum Beispiel in Clash of Clans schneller Truppen ausbilden oder in FIFA Ultimate Team bessere Spieler haben will, muss oft tief in die Tasche greifen – und das nicht mit virtuellem, sondern mit echtem Geld. Das sorgt für unfaire Voraussetzungen, da Spielende, die für ihren Spielfortschritt bezahlen, im Vorteil sind.
5. Sozialer Druck
Verschiedene Dark Patterns missbrauchen die soziale Komponente von Games, um zum Weiterspielen zu motivieren. Dazu gehören sogenannte Gilden- oder Clan-Systeme, in denen ich regelmässig aktiv sein muss, um meinen Beitrag zu leisten und andere nicht zu enttäuschen. Spiele wie World of Warcraft oder Clash of Clans setzen auf dieses Prinzip: Wenn ich nicht immer wieder spiele, verliere ich meinen Status in der Gruppe, Fortschritte gehen verloren oder ich werde sogar aus der Gruppe ausgeschlossen. Ein anderes Prinzip sind Belohnungen, wenn ich Personen aus meinem Umfeld zum Spielen einlade.
6. Monotonie und künstliche Hürden
Spiele verlangen oft wiederholte, zeitintensive Aufgaben (sogenannte Grinds), um Fortschritte zu erzielen. Alternativ können künstliche Hürden eingebaut werden, die dazu verleiten, Geld auszugeben, um schneller voranzukommen. In Diablo Immortal dauert es beispielsweise ohne Zahlung extrem lange, bis man eine hochwertige Ausrüstung erhält.
7. Endlos-Mechanismen
Spielinhalte sind manchmal bewusst so konzipiert, dass es schwerfällt, eine Pause einzulegen oder ganz aufzuhören. Das geschieht durch verschiedene Mechanismen: Mit sogenannten Streaks oder täglichen Aufgaben halten mich Games wie Roblox oder Coin Master bei der Stange. Wenn ich mich nicht täglich einlogge, laufe ich Gefahr, Fortschritte zu verlieren. Bei World of Warcraft wiederum gibt es keine klaren Runden oder Levelübergänge. Vielmehr werde ich konstant vor neue Herausforderungen gestellt.
8. Irreführende Buttons und versteckte Informationen
Ein weiteres Dark Pattern ist das absichtliche Verstecken oder Umbenennen von Kauf-Buttons. Beispielsweise kann es vorkommen, dass ein «Weiter»-Button direkt zum Kauf führt oder dass eine Schaltfläche zum Ablehnen eines Abonnements besonders unauffällig gestaltet wird.